Rücktritt des Bundespräsidenten - Krise statt Kommunikation
Gerade jetzt, möchte man sagen, tritt der Bundespräsident zurück. In einer der größten Wirtschaftskrisen der Nachkriegszeit, in der Deutschland nicht nur Kompetenz an der Spitze des Staates benötigt, wie sie Horst Köhler als ausgewiesener Experte in Wirtschafts- und Finanzfragen verkörperte, sondern darüber hinaus auch politische Köpfe, die gerade in schwierigen Zeiten durch ihre Pflichterfüllung ein Vorbild geben, an denen man sich orientieren kann.
Das Amt des Bundespräsidenten war nicht beschädigt, wie Horst Köhler als Grund für seinen Rücktritt angab. Er selbst wollte eine Diskussion anregen, die dann vermeintlich der Kontrolle entglitt. Doch Kommunikaiton und Krise gehören zusammen wie Wasser und Brot. Die Demokratie lebt vom Meinungspluralismus. Niemand kann sich dem entziehen, auch nicht der Bundespräsident.
Es lag auch kein Grund für Aktionismus vor. Ganz im Gegenteil: in der aktuellen Situation ist Bedacht angesagt, und vor allem: Kommunikation! Doch die zweite Amtszeit des Bundespräsidenten stand hier unter keinem guten Stern. Zunächst die Diskussion um die Führung des Bundespräsidialamtes. Es drangen Unstimmigkeiten an die Öffentlichkeit, die dem Amt tatsächlich schadeten. Dann eine lange Sendepause, in der es besonders wichtig gewesen wäre, dass der Bundespräsident gerade in seinem eigenen Kompetenzbereich den Menschen Halt durch substanzielle Beiträge gegeben hätte. Doch er schwieg.
Horst Köhler hat einmal gesagt: "Ich liebe unser Land." Wer als Bundespräsident so etwas sagt, der muss es auch leben - und in preußischer Pflichterfüllung seine Aufgaben erfüllen. Deutschland hat ihn gebraucht, gerade jetzt. Sein sofortiger Rücktritt ist das Ergebnis eines Phänomens, das wir in jüngster Zeit häufiger beobachten müssen: unzureichende Kommunikation in der Krise; man könnte in diesem Fall auch von "Krise statt Kommunikation" sprechen.


